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step 3

Schritt 3:

Nicht zurückblicken

Kommen wir nun zu dem Schritt, der dir vermutlich am schwersten fallen wird. Und das wage ich gut zu beurteilen, weil es für mich die Hölle war – und immer noch ist.

Ich bin jetzt völlig ehrlich zu dir. Nach der Trennung war ich das Sinnbild für Selbstzerstörung. Im Minutentakt öffnete ich den WhatsApp-Chat mit ihm und las mir bereits vergangene Gespräche immer und immer wieder durch. Ich las mir seine Zeilen zum Schluss machen immer und immer wieder durch. Ich rief in mir die Erinnerungen an das schmerzhafte hervor – immer und immer wieder. Parallel wollte ich einfach wissen, ob er online ist. Ich musste es wissen. Ich musste wissen, wann er auf sein Handy schaut. Ob er mit jemandem schreibt. Ob er mir vielleicht schreibt. Und wenn er online war fragte ich mich, wem er schreibt. Ich stellte mir die verrücktesten Dinge vor. Ich dachte er hätte vielleicht schon wieder eine Neue am Start, oder eine belanglose Bekanntschaft, würde voller Freude Pläne mit seinen Freunden machen, jetzt wo er frei war, während ich ihm hinterher trauerte. Ich musste einfach wissen, wann er auf sein Handy guckt.
Wieso ich das wissen wollte? Keine Ahnung! Ich glaube ich hatte immer noch ein wenig Hoffnung, dass er es sich anders überlegen würde. Dass er mir schreiben würde, wie leid es ihm tut und dass er alles geben würde, damit es wieder so wird wie vorher. Ich hatte tagelang nach der Trennung noch immer Hoffnung, dass er es bereuen würde und mich zurück will. Ich wollte auch einfach noch nicht einsehen, dass es das jetzt gewesen ist.
Und so öffnete ich den WhatsApp-Chat immer wieder, bis ich einsah, dass es mir nichts bringt. Dass er es auch nicht tun würde. Dass er sich nicht mal für mich interessierte. Und ich sah ein, was ich mir selbst damit angetan habe. Es war erstens pure Zeitverschwendung, zweitens las ich mir bereits Vergangenes durch und drittens – und das ist das schlimmste – streute ich mir selbst immer wieder Salz in die frische Wunde und gab ihr nicht die Möglichkeit zu heilen.
Da kam es mir. Dieser Chat ist Salz für meine Wunde. Die Bilder sind Salz für meine Wunde.
Es war für mich ein schwerer Schritt, aber der erste zur Heilung. Ich löschte den WhatsApp-Chat und damit gleich auch sämtliche Bilder, die wir uns zugeschickt hatten. Das war 3 Tage nach der Trennung. Ich war unendlich stolz auf mich.

Ich las mir gerne durch, was er mir in der Vergangenheit geschrieben hatte, denn das war die Zone, die ich nicht verlassen wollte. Ich habe mich geliebt gefühlt, begehrt und es tat mir unglaublich gut, sowas zu lesen. Es tat mir gut zu wissen, dass jemand mit mir glücklich ist. Es machte mich froh, wenn ich Glück verbreiten konnte. Ich mochte mich selbst nie sonderlich und war immer wieder erstaunt, wie sehr mich eine andere Person lieben konnte. Das hatte mich so fasziniert. Es hatte mich fasziniert, wie unglaublich perfekt wir füreinander waren.
Wir denken doch alle lieber an etwas schönes, anstatt an die schmerzvollen Momente im Leben. Ich liebte diese Vergangenheit so sehr, weil ich dort so glücklich war.
Ich las es mir nicht durch, weil ich Bestätigung brauchte, ich holte mir einfach nur das, was ich nicht mehr hatte. Aber es ist toxisch nach einer Trennung.

Parallel las ich mir auch permanent seine letzte Nachricht durch, die ich erhalten hatte. Ich weiß noch exakt wie ich mich gefühlt habe, als ich diese Zeilen im Auto vor der Arbeit durchgelesen habe. Er hat nicht Schluss gemacht, wie ich es mir gern gewünscht hätte – abgesehen davon, dass ein persönliches Gespräch super gewesen wäre. Es waren sehr persönliche Worte von ihm. Er sagte mir, wie sehr er mich lieben würde und nicht glaubt, dass er sowas perfektes wegwirft. Dass er gerne den Rest seines Lebens mit mir verbringen möchte, weil ich die Richtige für ihn bin, er aber einfach Zeit für sich braucht und alleine sein möchte. Er sich unvernünftig verhalten will.
Unmittelbar nach der Trennung hat es mich hin und her gerissen. Er hat mir irgendwie dennoch Hoffnungen gemacht, dass er es sich irgendwann vielleicht noch mal anders überlegt. Mir wäre alles so viel leichter gefallen, wenn er einfach nur Schluss gemacht hätte, ohne dieses Liebesgedöns. Ich hatte mir gewünscht, dass er härter zu mir ist und nicht so liebevoll. Eine klare und direkte Nachricht ohne Hoffnungen zu verbreiten.
Aber auch das ist vermutlich von Typ zu Typ unterschiedlich.
Und er hat es so getan, wie er wollte – auch daran konnte ich nichts ändern.

Es hat mir geholfen mit Freunden darüber zu sprechen. Ganz offen. Ich teilte mit ihnen den kompletten Chatverlauf und es half mir zu wissen, dass ich nicht die einzige bin, die es nicht versteht. Dass ich nicht alleine mit dem Gedanken war, dass er sich vielleicht noch mal melden würde, weil er es bereut. Ein Freund sagte mir es hört sich an, als würde er mich warm halten wollen für den Fall, dass er wieder eine Beziehung möchte.

Mir hat das alles natürlich nichts gebracht. Natürlich konnte ich weiter in der Vergangenheit leben und mir diese Zeilen immer wieder durchlesen. Natürlich konnte ich mir Hoffnungen machen und danach leben, dass er irgendwann wieder ankommen könnte. Aber wisst ihr was ich dann realisierte? Ich sah mir erstens einen Film an, der mal war – nämlich die glückliche Beziehung, die wir geführt haben. Und zweitens schrieb ich Drehbuch für meine eigene Wunschvorstellung – der was-wäre-wenn-Fall.
Beides spielte sich nur in meinem Kopf ab. Beides waren Phantome. Und ich musste mich davon lösen! Wenn ich meinen Alltag und meine Handlungen, meine Gedanken und mein Leben an etwas anpasse, dass mal war oder das eventuell eintreten könnte, lebe ich für nichts. Entweder ich trauere etwas hinterher oder halte meine eigenen Möglichkeiten klein und nehme Chancen nicht wahr, weil ich auf etwas warte, das vermutlich eh nicht eintreffen würde. Ich sehe nicht, was in der Welt wirklich passiert. Ich lebe dann in der Vergangenheit und in meiner was-wäre-wenn-Zukunft, aber nicht in der Gegenwart, die ich vollkommen vernachlässige.
Wenn man die Einstellung hat, dass ein Phantom xy eintreffen kann, stellt sich unser Organismus darauf ein. Völlig paradox. Hätte ich vor ein paar Wochen nach meiner Wunsch-Vorstellung weiter gelebt, würde ich mich anderen gegenüber völlig verschließen. Ich würde niemandem die Chance geben, mich kennenzulernen. Ich würde jeden Tag warten und hoffen und jeden Tag enttäuscht werden. Ich würde auf keine Parties gehen oder Freunde besuchen, weil ich auf ein Erlebnis warten würde, das nur in meinem Kopf existierte. Vermutlich wäre es so geendet, dass ich mich irgendwann im Zimmer eingesperrt hätte und depressiv geworden wäre.

„Wir müssen in der Gegenwart leben. Wo sind wir? Wir sind hier. Wie spät ist es? Es ist jetzt. The show must go on! Der Planet dreht sich weiter. Das Leben geht weiter. Mit uns oder ohne uns. “ – Oscar Karem

Wisst ihr was neben WhatsApp auch pures Gift ist? Instagram und Facebook. 4 Tage nach der Trennung entschied ich mich ihm zu entfolgen und aus meiner Facebook-Freundesliste zu löschen. Er folgte mir komischerweise bei Instagram noch weiter, sodass ich mich gar nicht traute etwas zu posten oder in meine Story zu packen. Ich machte mir selbst darüber so viele Gedanken. Nur dort schränkte er mich schon in meinen Handlungen ein. Ich fragte mich weshalb er mir nicht entfolgt, ob ich ihm wirklich so egal bin, das es ihm nichts ausmachen würde zu sehen, was ich so treibe. Was bei mir das komplette Gegenteil war. Ich wollte unter keinen Umständen sehen, was er tut. Ich wollte sein Gesicht nicht sehen. Ich war so unendlich verletzt.
Also blockte und entblockte ihn direkt danach wieder, damit er mir nicht mehr folgt. Und so war ich auch davon frei. Auch wenn es mir schwer fiel.
Noch schwerer fiel mir nicht auf sein Instagram-Profil zu gucken. Bescheuert oder? Auch wenn ich sein Gesicht nicht sehen wollte, interessierte es mich ungemein, welchen neuen Personen er folgt, ob er eine Story hochgeladen hat, die ich mir zumindest nicht von meinem privaten Instagram-Profil anschaute, oder ob er ein neues Bild hochgeladen hatte.
Und das war ein weiterer Akt meiner Selbstzerstörung. Ich war klug genug zu wissen, dass es mir viel gebracht hatte, ihn von meinem Handy zu verbannen. Aber dumm genug, um mir sein Instagram-Profil anzuschauen. Ich machte mir dafür keine Vorwürfe, das hätte mir in meinem Selbstwertgefühl nur geschadet. Ich versuchte zu verstehen, wieso ich mir das ständig antue. Und ich wurde nicht fündig. Ich fand keinen Grund, weshalb ich das tat. Natürlich war ich neugierig, aber was hatte ich denn davon? Jedes mal Herzklopfen bei einer neuen Aktivität von ihm. Jedes mal Gedanken aus der was-wäre-wenn-Mentalität. Jedes mal wieder etwas Salz in der Wunde, die eigentlich verheilen sollte. Jedes mal schlechte Laune und erweckte Erinnerungen aus der Vergangenheit.
Ihr merkt wohl gerade selbst, dass die Liste endlos so weiter gehen könnte. Ich realisierte, dass mir auch das schadete. Nicht nur in meinem Selbstwertgefühl, sondern auch in meinem Weiterkommen. Ich klammerte mich an etwas fest, das mich nicht weiterbrachte, das mich stoppte. Und so entschied ich erst relativ spät – vor genau 7 Tagen, 23 Tage nach der Trennung – mir selbst das Verbot zu erteilen, mir sein Profil anzuschauen. Und ich habe dieses Verbot eingehalten und es geht mir besser damit. Und ich bin stolz auf mich!

Es ist wichtig, dass du es selbst einsiehst. Dass du einsiehst, wie sehr es dir schadet, wenn du bestimmte Handlungen ausführst. Dass du erkennst, wie wenig es dir bringt. Das muss alles aus dir kommen. Natürlich haben mir Freunde geraten, dass ich das alles am besten sofort und direkt machen soll. Aber wenn du dazu noch nicht bereit bist – so wie ich es nicht war – dann ist es halt so. Und das ist okay. Daran ist rein gar nichts verwerflich. Mach dir keine Vorwürfe deswegen. Aber sei dir bewusst, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Denn dann nutzt du nicht die Chancen, die auf dich zukommen. Du nimmst die Welt gar nicht so wahr, wie sie ist, sondern klammerst dich noch an einer Hürde fest.

9 Tage nach der Trennung löschte ich auch seine Nummer, das sei noch gesagt.
Nimm dir die Zeit, die du dafür brauchst.

Nicht zurückblicken

Ich bin gar nicht perfekt indem was ich tue. Ab und zu schaffen es Gedanken an ihn in meinen Kopf und drohen mich herunterzuziehen. Da hab ich Techniken aus dem Schildkröten-Buch mitgenommen.
Sobald mich ein Gedanke packt, der droht mir zu schaden, akzeptiere ich ihn, tadle mich nicht dafür, aber rufe laut STOP in mir oder spreche es auch so aus, als würde ich einem Hund AUS sagen, wenn er etwas nicht tun sollte. Je überzeugter ich STOP sage, desto besser.
Man selbst ist Herr seiner Gedanken. Wenn du deinem Unterbewusstsein klar machst, dass du diese Art Gedanken nicht mehr möchtest, sage es ihm. Es ist jedoch unendlich wichtig, dass du davon auch überzeugt bist und es entsprechend umsetzt.
Es kann auch helfen sich parallel zum Aussprechen vom STOP ein Stoppschild vorzustellen. Als würde dieser Gedanke an der Grenze zu deinem Gedankenkarussel stehen, aber du weist ihn ab.
Eine weitere Technik ist, dass du den Gedanken packst. Halte ihn ganz fest, spanne deinen Körper an, deine Hände. Balle sie zu Fäusten und spanne dich so fest wie es nur geht an. Stelle dir den Gedanken nochmal vor. Konzentriere dich darauf, deine Anspannung auf den Gedanken zu fokussieren. Wenn du das geschafft hat, lasse diesen Gedanken los, indem du zeitgleich deine körperliche Anspannung auflöst.

Dieser step ist ein herausfordernder step, das weiß ich. Es erfordert so viel Überwindung, sich von Dingen zu trennen, die einem mal gut getan haben. Und vor allem erfordert er auch viel Selbstdisziplin. Lobe dich für die Kleinigkeiten, die du tagtäglich schaffst. Lobe dich dafür, dass du Fortschritte in dir siehst, wenn du deinem Ziel näher kommst.
Dein Geist und dein Körper entwickeln sich mit dir zusammen – ihr seid ein Team. Und du solltest der größte Fan von dir selbst sein.

Ich bin nicht perfekt im Umgang mit diesem step und das sage ich dir auch ganz offen. Vielleicht denkst du dir so einfach ist das doch gar nicht oder das Erlebnis hat mich zu sehr geprägt oder verletzt, als das ich es einfach hinter mir lassen könnte. Und das glaube ich dir. Es hat dich zu dem gemacht, der du heute bist. Und das ist gut so. Du wärst nicht so wie du bist, wären diese Erlebnisse nicht gewesen. Aber im Selbstmitleid zu bleiben, ständig zurückzuschauen und nicht voran zu kommen, bringt dir nichts. Die Vergangenheit ist vergangen – sie wurde bereits gelebt. Sie kann nicht verändert werden. Es ist passiert. Schau nicht zurück.

„Besonders beeindruckt haben mich die kostbaren Teeschüsselchen aus dünnem Porzellan, die alle handbemalt waren. Wenn eine solche Schüssel zerbricht, wird sie nicht, wie in unserer Kultur üblich, einfach weggeschmissen. Sie wird mit Gold wieder zusammengeklebt. Dadurch entstehen neue Kostbarkeiten mit wunderschönen Linien und jedes Schüsselchen ist ein Unikat. Auf diese Weise betonen die Japaner die Schönheit zerbrochener Dinge; sie glauben, dass das einst Zerbrochene noch viel wertvoller geworden ist. Sie glauben, dass, wenn etwas Schaden erlitten und eine Geschichte hat, es umso schöner wird.
Dasselbe gilt auch für Menschen. Alles, was du durchgemacht hast, macht dein Leben nicht hässlicher oder schlechter, obwohl es für dich vielleicht so aussehen mag. Es liegt an uns, zu malen und unsere Narben und Tränen mit Gold wieder schön zu machen. Du bist, um im Bild zu bleiben, nicht für immer zerbrochen, sondern mit Gold repariert und letztlich veredelt worden. Das Gold repräsentiert die Freunde und deine Familie, die auch in den dunkelsten Zeiten für dich da sind. Die Scherben sind deine schmerzvollen Erfahrungen aus der Vergangenheit und die Schüssel ist dein Leben.“ – Tobias Beck (Unbox your life)

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