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Wie der Körper es dich wissen lässt, dass er eine Pause braucht – zum Beispiel mit einer Panikattacke

Bis August war mein Leben vom Stresslevel eine Katastrophe, das sage ich euch.
Ich befand mich bis Ende Juli im 6. Semester meines berufsbegleitenden Studiums. Und was war das eine Qual.
Was stand an? Zwei Klausuren, ein mündlicher Beitrag, zwei Präsentationen, eine Hausarbeit, und eine mündliche Prüfung. Ich wollte natürlich unbedingt alles packen und war voller Euphorie. Da hatte ich die Rechnung aber ohne mein Leben gemacht.
Ich entschied nicht nur relativ zu Beginn des Semesters, mich von meinem damaligen Freund zu trennen, sondern zwei Tage später sollte ich schon meine neue Arbeitsstelle antreten. Heißt neben der 40h-Woche und den neuen Aufgaben und Abläufen – 2-3 mal pro Woche abends oder am Wochenende Vorlesungen besuchen und nebenbei die Trennung bewältigen. Wir haben nämlich zusammen eine Wohnung bezogen.
Und ich stürzte mich auch relativ zügig nach der Trennung in meine nächste Beziehung. Wie die ausging solltet ihr in meiner step-by-step Rubrik bereits erfahren haben.

Allein diese Veränderungen in dieser kurzen Zeit gehen einem ziemlich auf die Psyche.
Erst bemerkte ich davon nicht so viel, weil ich glücklich in meiner neuen Beziehung und der neuen Arbeitsstelle war. Es bedeutete für mich jedoch viel Stress, weil ich viel Arbeit in wenig Zeit zu bewältigen hatte.
Zudem waren meine zu erbringenden Prüfungsleistungen – in der Summe 7 Stück – ziemlich eng terminiert. Ich hatte wochenlang keine einzige Pause, weil immer irgendwas war. Sei es Vorlesungen besuchen, Lernstoff vorbereiten, den eigenen Geburtstag vorbereiten und feiern, andere Familienfeiern, lernen, die Wohnungsauflösung managen, Zeit mit meinem Ex zu verbringen, Zeit für die Familie zu finden und Zeit für mich selbst zu finden. Ich stand ziemlich unter Strom, war immer gereizt.
Zuerst bemerkte ich meine Erschöpfung darin, dass ich ständig müde war. Ich hatte Kopfschmerzen und hatte ziemliche Stimmungsschwankungen. Und dann bekam ich immer wiederkehrende Blasenentzündungen. Ich hatte in den letzten 5 Jahren nicht so viele Blasenentzündungen gehabt wie in diesen 3 Monaten. In der Zeit rannte ich ständig zum Arzt. Erst jetzt kann ich sagen, dass die Blasenentzündungen vom Stress kamen.

Der Körper benötigt Ruhephasen. Die Zeit raste an mir vorbei und ich hatte das Gefühl, dass ich trotz voll geplanter Tage nichts geschafft habe. Ich habe viel in mein freies Wochenende verlagert, das eigentlich zur Entspannung diente. Und klar habe ich auch mal die ein oder andere Vorlesung sausenlassen und dafür mehr Freizeit eingeplant, aber die Gedanken hörten nicht auf. Und ständig diese Stimme in mir: „Du musst das packen! Du darfst nicht versagen!„.
Ich machte mir permanent Sorgen über die Prüfungsleistungen, die mich stressten und war andererseits total glücklich in meiner Beziehung. Meine innere Waage stand nie still – ganz im Gegenteil. Jeden Tag war etwas Neues, jeden Tag kam wieder eine Aufgabe dazu.
Hatte ich einen Punkt von meiner to-do-Liste gestrichen, stürzte ich mich in den nächsten.
Und mein Kopf musste ständig präsent sein, musste ständig arbeiten.
Ich inhalierte Energy Drinks und Kaffee. Und auch mein Alkoholkonsum nahm zu.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich so gerne Alkohol getrunken habe, um nur für den Moment den Stress zu vergessen.

Ich schadete mir selbst damit. Machte mir zusätzlichen Druck und Vorwürfe, weil ich für meine Familie und den Sport keine Zeit hatte. Weil ich mir keine Pause gönnte. Keinen Ausgleich. Zudem hatte ich heftige Gewissensbisse, weil ich meine damalige Beziehung so schnell für einen Anderen aufgegeben habe.
Wenn ich Stress sage, meine ich nicht nur negativen Stress. Es gibt auch sehr wohl positiven Stress. Zum Beispiel habe ich auch die Eltern meines Ex‘ kennengelernt – und was habe ich mir da für Gedanken gemacht! Was habe ich mir da eingeredet? Wie nervös war ich bereits Tage vorher? Wie verrückt habe ich mich gemacht, was andere von mir halten könnten? Was habe ich mir für einen Druck gemacht, weil ich wollte, dass sie mich mögen? Völlig ohne Grund!

Das Semester war sowohl beruflich als auch privat die totale Hölle.
Der krönende Abschluss kam noch.

Es war Samstag und ich machte mir einen gemütlichen Abend mit meinem Ex-Freund. Wir tranken Wein, hatten viel Spaß und ich hatte das Gefühl endlich wieder abschalten zu können. Wir schauten eine Serie zusammen, Dark, und plötzlich hatte ich ein beklemmendes Gefühl in der Brust. Mein Magen zog sich zeitgleich zusammen und ich hatte üble Bauchkrämpfe. Das Gefühl in der Brust wurde immer schlimmer, sodass ich auf dem Boden zusammenbrach. Ich krümmte mich zusammen und bekam kaum noch Luft. Mein Herz klopfte immer schneller. Raste. Ich zitterte am ganzen Körper. Mir wurde immer kälter. Mein Ex versuchte mir schnell zu helfen, rannte ins Schlafzimmer um mir Tabletten für meine Bauchkrämpfe zu bringen, versuchte mich zu beruhigen, damit ich wieder ruhig atmete. Aber es half alles nicht. Ich hatte panische Angst, da die Luft gefühlt immer weniger wurde. Ich sagte immer „Ich will nicht sterben, ich will nicht sterben“ – das war mein einziger Gedanke, da ich keine Luft mehr bekommen habe. Ich verkrampfte immer mehr und begann panisch zu weinen. Sowas hatte ich noch nie.
Mein Ex-Freund handelte zum Glück sehr zügig. Er hob mich hoch und trug mich ins Auto Richtung Krankenhaus. Die 5 Minuten Fahrt kamen mir vor wie 5 Stunden.
Dort angekommen wurde ich direkt aufgenommen – ohne Schuhe, ohne BH – nur in Shorts und Top.
Und ich wurde behandelt, man checkte mich durch.

Das war mein allererstes mal im Krankenhaus, zuvor wurde ich noch nie behandelt. Und ich hatte es mir selbst eingebrockt. Es war eine Panikattacke. Laut des Chefarztes neigt man gerade in Ruhephasen zu solchen Attacken, wenn der Körper die Chance bekommt abzuschalten. Verrückt, oder?
Ich dachte immer ich hätte alles im Griff. Ich dachte ich halte dem Druck stand, aber ich hatte mir zuviel zugemutet. Und durch den Alkohol habe ich es noch begünstigt. Habe meine Grenzen nur noch weiter überschritten.

Wieso erzähle ich euch das?
Es war für mich eine unglaubliche Erfahrung. Nicht nur, dass ich zum ersten und einzigen mal eine Panikattacke hatte und im Krankenhaus war, aber auch, weil ich mir instinktiv sagte „Ich möchte nicht sterben“. Ich wollte leben. Ich habe mich meinem Lebenswillen noch nie näher gefühlt.
Seitdem habe ich versucht auf meinen Körper zu hören, mit ihm zusammenzuarbeiten. Ich möchte nicht, dass sowas nochmal passiert. Wieso erkennt man es meistens erst, wenn es zu spät ist? Wenn etwas passiert ist? Wieso kann man nicht gleich zu Beginn auf sich achten?
In der Phase wurde ich von meinen Pflichten zu meinen Handlungen geleitet. Ich habe alles andere, mich selbst eingeschlossen, an letzte Stelle gestellt. Und das ist der größte Fehler, den man machen kann. Ich habe mich selbst nicht geachtet, ich habe nicht auf mich aufgepasst, ich habe nicht auf mich gehört. Ich habe viele Sorgen und Ängste in mich hineingefressen, wollte alles eigenständig erledigen und habe mir damit nur geschadet.

Es ist nicht schlimm sich einzugestehen, dass man nicht mehr kann. Dass man überfordert ist. Dass man Angst und Sorgen hat. Dass man ausgelaugt ist. Es ist total normal! Schäme dich nicht für deine Gefühle. Teile deine Gedanken mit deinen Liebsten. Lass dir Aufgaben abnehmen. Terminiere Prüfungsleistungen anders – wen kümmert‘s denn, ob du diese im nächsten Semester erst antrittst? Ich hätte so unglaublich viel besser machen können. Ich habe mir selbst zu viel zugemutet. Und das wird mir niemals erneut passieren. Dafür liebe ich mich zu sehr. Dafür schätze ich mich zu sehr.

Und hiermit noch ein riesen Dankeschön an das Knappschaftskrankenhaus in Bottrop! Angenehmer hätte ich mir einen Krankenhausaufenthalt nicht vorstellen können.

So stressig und katastrophal dein Leben auch aussehen mag, dein Überlebenswille ist größer. Deine innere Kraft ist größer. In den dunkelsten Phasen unseres Lebens erkennen wir, was wir wirklich wollen. Versprich mir, dass du auf dich achtest. Versprich es dir selbst. Versprich mir, dass du dich selbst nicht mehr bekämpfst.
Die banalsten Dinge stressen uns im Alltag, dabei haben wir die freie Wahl, wie wir unseren Alltag gestalten wollen. Wieso müssen wir alles immer sofort erledigen? Alles auf einmal? Wieso lassen wir uns so ungern helfen? Wieso öffnen wir uns anderen gegenüber nicht, wenn sich unsere Kraft dem Ende neigt? Wieso haben wir ein schlechtes Gewissen, wenn wir vor Erschöpfung ein Treffen absagen oder etwas auf morgen verschieben?
Wofür lebst du? Um deine Pflichten abzuarbeiten? Um es anderen Recht zu machen? Zu welchem Preis?

Selbstliebe beginnt schon bei der winzigsten Kleinigkeit.
Denke immer zuerst an dich und deine Gesundheit.

2 Kommentare zu „Wie der Körper es dich wissen lässt, dass er eine Pause braucht – zum Beispiel mit einer Panikattacke

  1. Respekt für so viel Ehrlichkeit und Mut, persönliche Erfahrungen preis zu geben. Ich hoffe, das ist für viele eine Warnung, früher auf die Bremse zu treten und bestimmte Anzeichen ernst zu nehmen. Zum Glück war ich noch nie in solch einer Situation. Ich wünsche dir, dass du deinen Weg gehst und viel Kraft aus deinen Erfahrungen schöpfen kannst!
    LG Kerstin

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